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Gefährliche Kopfschmerzen

M. Sturzenegger

Bei der ersten Annährung an eine korrekte Diagnose bei einem Kopfschmerzpatienten geht es darum, die beiden grossen Kategorien idiopathische / primäre Kopfschmerzen (KS) (ca. 80%; Hauptvertreter: Migräne, Spannungs-KS, Cluster-KS) und symptomatische / sekundäre KS (maximal 20%) voneinander abzugrenzen. Die erste Gruppe ist nach der klinischen Symptomatik klassiert, die zweite nach den Ursachen. Gefährliche KS sind in der symptomatischen Gruppe anzutreffen, die am besten (auch als Checkliste) in die „berühmten 9“ gegliedert wird:


Tabelle symptomatischer KS

1. Durchblutungsstörungen


arteriell:

  • ischämischer cerebrovaskulärer Insult
  • Hirnblutungen (Subarachnoidalblutungen, Subduralhämatom)
  • Gefässentzündungen
  • Gefäss-Dissektionen
  • hypertensiver Notfall (Krise)


venös:

  • Hirnvenen-/Hirnsinus-Thrombose


2. Liquorzirkulationsstörungen

  • Hydrocephalus
  • Liquorunterdruck


3. Entzündungen    

  • im Schädel: Meningitis, Hirnabszess
  • am Schädel: Sinusitis, Otitis, Pulpitis
  • systemisch: Pneumonie, Pyelonephritis


4. Kopfverletzungen

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Epiduralhämatom

    
5. Tumoren

  • primäre Hirntumoren
  • Hirnmetastasen


6. Toxisch

  • Medikamente
  • Industriegifte
  • usw. (Nitropräparate, Ergotaminabusus, Blei-/Kohlenmonoxid-Intoxikation)


7. Stoffwechsel

  • Hypoxie
  • Hyperthyreose
  • Hypoglykämie
  • Dialyse
  • usw.


8. Degenerativ

  • Halswirbelsäulen-Arthrose


9. Neuralgien

  • symptomatisch (z.B. bei Akustikusneurinom)



Die häufigsten und auch potentiell gefährlichen Ursachen symptomatischer KS sind systemi-sche Infekte, Sinusitis, Trauma, intracranielle Infekte, Blutungen (Subarachnoidalblutungen, Subduralhämatome, intracraniale Blutungen), Hydrocephalus.

Gefährliche KS erkennt man weniger an der Intensität oder am Auftreten von Begleitsym-ptomen (z.B. Erbrechen), sondern vielmehr anhand der Krankengeschichte, des Zeitmusters (perakuter KS oder Dauer-KS) und der Art der Begleitsymptome (fokale neurologische Defi-zite). Diese muss man aber gezielt erfragen oder bei der Untersuchung suchen.

Die Magnetresonanztomographie (MRI) soll gezielt eingesetzt werden: eine Meningitis oder eine Riesenzellarteriitis sieht man auch auf dem MRI-Bild nicht!