Ist die Migräne eine psychisch bedingte Krankheit (und somit von aussen beeinflussbar) oder ein genetisches Schicksal?
C. Meyer
Eine genetische Disposition der Migräne wurde schon seit längerer Zeit vermutet, vor allem auch aufgrund des bekannten Phänomens, dass sich in vielen Familien die Krankheit wie ein roter Faden durch Generationen hinzieht. Allerdings konnte man bisher noch keinen eindeuti-gen genetischen Defekt als Ursache der Migräne ermitteln. Es ist aber gesichert, dass geneti-sche Veränderungen unter bestimmten Bedingungen verantwortlich sind für eine Stoffwech-selstörung bestimmter Hirnzellen (Calciumüberladung, Ionenkanalerkrankung) und dass der spezifische Schmerzmechanismus dadurch aktiviert wird.
Welche Rolle spielt hier die Psyche als möglicher kausaler Faktor? Es gibt dafür keine Bewei-se. Einflüsse von Seite der Psyche können im Einzelfall sehr wohl eine Rolle spielen (sowohl Freud als auch Leid), müssen aber nicht. Begleiterkrankungen wie Depressionen und Ängste sind hinlänglich bekannt, sie sind aber nicht die Ursache. In der täglichen Praxis sieht man regelmässig Leute, denen es psychisch sehr schlecht geht und die trotzdem nicht an vermehr-tem oder intensiverem Kopfweh leiden; andererseits fühlen sie sich wieder sehr gut und ver-stehen nicht, warum sie trotzdem Migräne haben.
Dass eine „normale“ Migräne mit wenigen Attacken pro Monat nach vielen Jahren in einen chronischen täglichen Kopfschmerz mit beeinträchtigter Lebensqualität übergehen kann, ist eine leidige Tatsache, die bisher niemand hinreichend erklären konnte. Eine psychische Ursa-che konnte auch hier nie nachgewiesen werden, andauernde Schmerzen können aber mit der Zeit zu psychischen Veränderungen führen. Ob es eine „Migränepersönlichkeit“ gibt, wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert; von der ärztlichen Erfahrung her spricht wohl einiges dafür, obwohl wissenschaftliche Belege bisher nicht erbracht werden konnten.
C. Meyer
Eine genetische Disposition der Migräne wurde schon seit längerer Zeit vermutet, vor allem auch aufgrund des bekannten Phänomens, dass sich in vielen Familien die Krankheit wie ein roter Faden durch Generationen hinzieht. Allerdings konnte man bisher noch keinen eindeuti-gen genetischen Defekt als Ursache der Migräne ermitteln. Es ist aber gesichert, dass geneti-sche Veränderungen unter bestimmten Bedingungen verantwortlich sind für eine Stoffwech-selstörung bestimmter Hirnzellen (Calciumüberladung, Ionenkanalerkrankung) und dass der spezifische Schmerzmechanismus dadurch aktiviert wird.
Welche Rolle spielt hier die Psyche als möglicher kausaler Faktor? Es gibt dafür keine Bewei-se. Einflüsse von Seite der Psyche können im Einzelfall sehr wohl eine Rolle spielen (sowohl Freud als auch Leid), müssen aber nicht. Begleiterkrankungen wie Depressionen und Ängste sind hinlänglich bekannt, sie sind aber nicht die Ursache. In der täglichen Praxis sieht man regelmässig Leute, denen es psychisch sehr schlecht geht und die trotzdem nicht an vermehr-tem oder intensiverem Kopfweh leiden; andererseits fühlen sie sich wieder sehr gut und ver-stehen nicht, warum sie trotzdem Migräne haben.
Dass eine „normale“ Migräne mit wenigen Attacken pro Monat nach vielen Jahren in einen chronischen täglichen Kopfschmerz mit beeinträchtigter Lebensqualität übergehen kann, ist eine leidige Tatsache, die bisher niemand hinreichend erklären konnte. Eine psychische Ursa-che konnte auch hier nie nachgewiesen werden, andauernde Schmerzen können aber mit der Zeit zu psychischen Veränderungen führen. Ob es eine „Migränepersönlichkeit“ gibt, wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert; von der ärztlichen Erfahrung her spricht wohl einiges dafür, obwohl wissenschaftliche Belege bisher nicht erbracht werden konnten.