Kinderkopfschmerzen
Allgemeine Massnahmen
Auch beim Kind sind eine ausführliche Anamnese sowie eine allgemeine und neurologische Untersuchung die wichtigsten Elemente der Diagnostik. Bildgebende Verfahren sind nur indiziert, wenn die Anamnese für primäre Kopfschmerzen ungewöhnlich und/oder die neurologische Untersuchung nicht normal sind. Die Angst der Eltern vor einem Hirntumor kann bei primären Kopfschmerzen durch gute Aufklärung abgebaut werden.
Ein Kopfwehtagebuch - inkl. Zykluskalender bei Adoleszentinnen - ist aus diagnostischen Gründen und zur Therapieüberwachung wichtig.
Kopfschmerzhygienische Massnahmen im Alltag sind wichtig und gerade im Kindesalter hilfreich: regelmässige Mahlzeiten (gezielt auch vor sportlicher Aktivität), eine ausreichende Trinkmenge, Verzicht auf regelmässige Koffeingetränke (Cola, Red Bull, Eistee), und eine ausreichende Schlafmenge. Überbelastungssituationen durch Überforderung in der Schule oder ein Überangebot an Freizeit sind abzuklären.
Behandlungsempfehlungen
Die Behandlung muss die verschiedenen Kopfschmerzformen und die Unterschiede des Verlaufs der Migräne-Anfälle beim Kind berücksichtigen.
1. Migräne Akutbehandlung
Bei Kindern im Vorschul- oder frühen Schulalter ist das „Ausschlafen“ einer kurzen Migräneattacke häufig ohne Medikamente wirksam. Bei älteren Kindern und Adoleszenten werden bei längerdauernden und/oder schwereren Attacken häufig Akutmedikamente benötigt, möglichst frühzeitig im Attackenablauf anzuwenden.
Analgetika/NSAR:
| 1. Paracetamol (inkl. Suppositorien, lingual) | 15 mg/kg | max. alle 5-6 Std. |
| 2. Ibuprofen (Sirup) | 5-10 mg/kg | max. alle 6 Std. |
| 3. Mefenaminsäure | 5-(10) mg/kg | max. alle 8 Std. |
| 4. Acetylsalicylsäure (bevorzugt ab 12 Jahren) | 10 mg/kg | max. alle 6-8 Std. |
Triptane:
| Sumatriptan (ab 12 Jahren) | Nasenspray 10 mg < 40 kg KG |
| 20 mg > 40 kg KG | |
| (max. 40 mg/24 Std.) |
Antiemetika: (bei Übelkeit mit den Akutmedikamenten verabreicht)
| Domperidon | Suspension | 0.25 mg/kg | max. alle 6 Std. |
| Suppositorien | 1 mg/kg | max. alle 6 Std. | |
| Lingual | 10 mg | > 35 kg KG | |
| max. alle 12 Std. |
2. Migräne Langzeitprophylaxe
Selten indiziert: bei unwirksamer Attackentherapie und/oder häufiger Beeinträchtigung (3-4 Schul- /Freizeitausfälle/Monat), mehrheitlich bei Adoleszenten.
Evidenzbasiert am besten wirksam bei Kindern und Jugendlichen:
| Flunarizin | 1-2 Tbl. à 5 mg/Tag | Cave: depressive Verstimmung möglich, Gewichtszunahme und Somnolenz häufig (abendliche Gabe!). |
| Bei Patienten mit Übergewicht: | ||
| Topiramat | 50-max. 100 mg/Tag | Cave: bei höherer Dosierung neurokognitive Nebenwirkungen! |
| Weitere Möglichkeiten (weniger evidenzbasiert): | ||
| Magnesium | 9mg/kg/Tag =0.37 mmol/kg/Tag in 2-3 ED | |
| Riboflavin | 200-300 (max. 400) mg/Tag in 2 ED | |
Bei zu häufiger Akutmedikamenteneinnahme (>10 Behandlungstage/Monat) kann selten auch bei Kindern und gelegentlich bei Jugendlichen ein Medikamentenüberkonsum-Kopfschmerz beobachtet werden (Vergl. MÜKS, S. 17).
3. Migräne bei der Adoleszentin
An die Möglichkeit einer menstruationsassoziierten Migräne ist zu denken. Eine hormonelle Behandlung sollte dem Kopfschmerzspezialisten und spezialisierten, endokrinologischen Gynäkologen überlassen werden.
4. Spannungstyp-Kopfweh
Falls die spannungsverursachenden Faktoren (meist in Schule oder Familie) nicht primär angegangen werden können, bewähren sich:
- Möglichst keine Medikamente
- Ausreichende Schlafmenge
- Regelmässige, körperliche Aktivität
- Entspannungsübungen/Relaxationstherapien und Physiotherapie
- Probatorische Magnesiumbehandlung (Vergl. Dosierung bei Migräne)
Dr. med. Tobias Iff
Facharzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin
Schwerpunkt Kinderneurologie
Lavaterstrasse 83
8002 Zürich
E-Mail: tobias.iff@iff-kinderneurologie.ch
Prof. Dr. med. Jürg Lütschg
Universitäts Kinderspital beider Basel UKBB
Dr. med. Jürg Lütschg
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Dr. med. Gabriele Merki
Oberärztin
Universitätsspital Zürich
Klinik für Reproduktions-Endokrinologie
Departement Frauenheilkunde
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Dr méd. Catherine Dozier
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