Therapie bei Cluster-Kopfschmerzen

Philipp Balcerak

Behandlung einer akuten Attacke

Zur Behandlung eines akuten Anfalls werden vor allem zwei Methoden eingesetzt:

 

  • 100%iger Sauerstoff über eine spezielle Atemmaske über ca. 12-15 Minuten
  • Triptane, meist als Injektion unter die Haut – diese Medikamente sind aus der Migräne als Akuttherapie bekannt

Alternativ können Triptane auch als Nasenspray angewendet werden. Diese wirken jedoch meist etwas schwächer als die Injektion.

Bei unklaren Fällen kann das rasche Ansprechen auf Sauerstoff auch als Diagnosebestätigung dienen.


Nicht-medikamentöse Massnahmen

An nicht-medikamentösen Massnahmen ist lediglich der Verzicht auf die Risikofaktoren, hierbei v.a. der Alkohol- und Nikotin-Konsum, sicher empfohlen. 

Da die Schmerzen sehr stark sind und einen grossen Leidensdruck verursachen, steht jedoch vor allem die medikamentöse Vorbeugung (Prophylaxe) im Mittelpunkt der Behandlung.


Vorbeugende Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen

In der medikamentösen Behandlung steht das Verapamil als aktuell einziger Vertreter der sog. "ersten Wahl" zur Verfügung und wird in der Regel mit sehr gutem Erfolg eingesetzt. Die notwendige Dosis muss jedoch individuell mit schrittweiser Erhöhung in ärztlicher Begleitung ermittelt werden. 

Um eine mögliche Lücke bis zum Wirkeintritt des Verapamils zu überbrücken, kann vorübergehend zusätzlich ein schneller wirksames Medikament eingesetzt werden, wie z.B.:

  • Kortisonpräparate
  • ein langwirksames Triptan

Eine weitere Möglichkeit ist eine Injektion am Hinterkopf in die Nähe des Nervus occipitalis major. Dabei wird eine Mischung aus Kortison und einem Lokalanästhetikum verabreicht.

Sollte Verapamil nicht ausreichend wirksam oder kontraindiziert sein, so werden Medikamente der "zweiten Wahl" eingesetzt, wozu Lithium sowie die aus dem Epilepsiebereich bekannten Topiramat und Valproat gehören. Auch hochdosiertes Melatonin scheint bei manchen Fällen zu wirken. 

Invasive Therapien

Auch invasivere Therapieverfahren stehen zur Verfügung. Diese beruhen (noch) nicht auf grosser wissenschaftlicher Datenbasis und werden meist in schwerer kontrollierbaren Einzelfällen angewandt. 

Dies beinhaltet neben den Injektionen von Botulinumtoxinen auch die Blockade des Ganglion sphenopalatinum.


Neuromodulatorische Verfahren

Mittlerweile gibt es auch neuromodulatorische Verfahren, die bei chronischen, medikamentös schwerbehandelbaren Formen Anwendung finden. Dies ist auf der einen Seite die durchgehende elektrische Stimulation des Nervus occipitalis major durch ein implantiertes Gerät. 

Auf der anderen Seite die invasivere Tiefenhirnstimulation. Diese Verfahren werden nur in ausgewählten Einzelfällen angewendet.

Neue Therapieansätze

Aus den letzten Jahren sind die medikamentösen Therapien gegen den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Relate Peptide) aus dem Kopfschmerzbereich bekannt. Diese zeigten bei Migräne eine grosse Wirksamkeit. 

Auch bei Cluster-Kopfschmerz-PatientInnen wurden diese untersucht. Die bisherigen Studien zeigen jedoch keinen eindeutig belegbaren Nutzen für die gesamte Patientengruppe, auch wenn einzelne Fallberichte positive Effekte beschreiben.

Deshalb können diese Medikamente derzeit nicht allgemein zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen empfohlen werden.