Spannungskopfschmerzen – Allgemeines

Philipp Balcerak

Spannungskopfschmerzen sind die häufigste primäre Kopfschmerzform, d.h. eine Kopfschmerzart ohne identifizierbare bzw. strukturelle Ursache – und damit noch häufiger als die weit verbreitete und bekannte Migräne. Bis zu 80% der Bevölkerung leidet irgendwann im Laufe des Lebens an Spannungskopfschmerzen.  Trotzdem ist diese Kopfschmerzform noch deutlich weniger erforscht und untersucht, sodass die genaueren Mechanismen deutlich schlecht bekannt sind.

Symptome

Spannungskopfschmerzen können sich individuell sehr unterschiedlich präsentieren, sodass eine genaue und typische Beschreibung des Kopfschmerzes nicht gut möglich ist. Eine Episode kann zwischen 30 Minuten und 7 Tagen dauern und sowohl episodisch in verschiedener Frequenz, als auch chronisch vorkommen. 

Sie sind häufig diffus, können gleichzeitig beide Kopfschmerzhälften oder den gesamten Kopf betreffen, wobei sie auch in den Nacken ziehen können. Die Intensität ist meist moderat bis mittelstark von drückendem Charakter. 

Im Unterschied zur Migräne sind Spannungskopfschmerzen meist mit weniger Begleitbeschwerden, wie z.B. Übelkeit und Erbrechen, vergesellschaftet und werden in der Regel nicht durch körperliche Aktivität verstärkt. 

Häufige bzw. chronische Formen können den Alltag einschränken, insbesondere wenn es intensive Schmerzepisoden gibt, welche nicht gut mit Schmerzmittel kontrollierbar sind.  Leichtere Formen mit gelegentlichem Auftreten beeinträchtigen das Leben hingegen wenig.

Migräne

Spannungskopfschmerz

Clusterkopfschmerz

Pulsierend, pochend

Dumpf, drückend

Stechen, bohrend

Meist einseitig

Beidseitig

Einseitig/ retroorbital

4-72 h

30 Min. bis 7 Tage

15 Min. bis 3 h

Mittelschwere bis schwere Intensität

Leichte bis moderate Intensität

Starke bis sehr starke Intensität

Vegetative/ autonome Begleitsymptome, wie Übelkeit/ Erbrechen, Photo-/ Phonophobie

Keine spezifischen Begleitsymptome

Autonome Begleitsymptome, wie Lakrimation, Rhinorrhoe

Verstärkung durch körperliche Aktivität

Nicht verstärkt durch körperliche Aktivität

Unruhe/ Agitiertheit


Entstehung

Die genauen Mechanismen der Spannungskopfschmerzen sind nicht gut bekannt. Wie dem Namen zu entnehmen ist, spielen sowohl muskuläre „Verspannungen“, wie auch emotionale Anspannung eine Rolle. Letztere kann häufig als Art Auslöser dienen. 

Ein erhöhter Muskeltonus der schädelnahen Muskulatur (Kau-, mimische und Nackenmuskulatur u.a.) ist häufig assoziiert und kann zu einer gewissen Druckempfindlichkeit führen, welche als myofasziale Triggerpunkte bezeichnet werden. Daneben spielt auch, v.a. bei der chronischen Variante, eine Sensibilisierung von Schmerzstrukturen des zentralen Nervensystems eine Rolle.