Posttraumatische Kopfschmerzen – Therapie
Antonella Palla
Was wirkt – was nicht?
Spezifische, für PTH zugelassene Medikamente existieren bislang nicht. Die Behandlung orientiert sich am Kopfschmerztyp, den PTH am meisten ähnelt. Da anhaltende PTH in ~94 % migräneartig ist, werden am häufigsten Migräne-Medikamente eingesetzt. Für Details zu den einzelnen Therapieoptionen wird auf die entsprechenden Patientenkapitel auf verwiesen.
Hinsichtlich nicht-medikamentöser Verfahren empfiehlt die aktuelle Leitlinie in den ersten 24-48 Stunden nach dem Kopftrauma eine Phase der relativen Ruhe: körperliche und geistige Aktivitäten etwas reduzieren, Bildschirmzeit einschränken.8
Strikte Bettruhe ist überholt!
Früher wurde oft "Bettruhe bis zur Beschwerdefreiheit" empfohlen. Das ist nicht mehr zeitgemäss. Studien zeigen: Zu viel Ruhe verlangsamt die Erholung und erhöht das Risiko für psychische Folgen wie Angst und Depression. Nach 48 Stunden sollte eine schrittweise Rückkehr zur Aktivität beginnen.
Schrittweise Rückkehr zu Alltag, Arbeit und Sport
Nach den ersten 24–48 Stunden gilt: so aktiv wie verträglich. Die Rückkehr zur normalen Aktivität sollte schrittweise und an die individuellen Beschwerden angepasst erfolgen. Bewährte Stufenpläne und konkrete Empfehlungen zur Belastungssteigerung sind auf Informationsplattformen wie CDC HEADS UP oder der Concussion in Sport Group übersichtlich dargestellt.
Als Orientierung gilt: Eine Aktivität ist gut verträglich, wenn die Kopfschmerzen dabei höchstens um 1–2 Punkte (auf einer 10er-Skala) zunehmen und sich innerhalb einer Stunde wieder zurückbilden.
Was tun bei einem Rückschlag?
Es ist normal und erwartet, dass Kopfschmerzen bei mehr Belastung vorübergehend zunehmen. Das bedeutet nicht, dass etwas schiefläuft. Wenn Symptome nach einer Aktivitätsstufe zunehmen: eine Stufe zurück, 24 Stunden Pause, dann erneut versuchen – in etwas langsamerem Tempo.
Was kann ich selbst tun?
Neben der ärztlichen Behandlung gibt es einiges, das Sie aktiv beitragen können:
- Regelmässiger Schlaf: Ein fester Schlaf-Wach-Rhythmus hilft dem Gehirn, sich zu erholen.
- Körperliche Aktivität: Schrittweise steigern – kein abrupter Wiedereinstieg in den Sport.
- Bildschirmzeiten: Licht und Flimmern können Kopfschmerzen auslösen – bewusst dosieren.
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken, Achtsamkeit und regelmässige Pausen einplanen.
- Trigger vermeiden: Beobachten und notieren, was Kopfschmerzen auslöst (z. B. Lärm, Licht, bestimmte Speisen).
- Kopfschmerztagebuch: Unterstützt dabei, Muster zu erkennen und die Therapie anzupassen.
- Genesungserwartung: Eine positive Einstellung und realistische Erwartungen beeinflussen nachweislich den Verlauf.
Literatur
[1] Ashina H et al. Post-traumatic headache attributed to traumatic brain injury: classification, clinical characteristics, and treatment. Lancet Neurology. 2021;20:460–469.
[2] Ashina H, Dodick DW et al. (TRACK-TBI Investigators). Prevalence of and Risk Factors for Post-traumatic Headache in Civilian Patients After Mild Traumatic Brain Injury. Mayo Clin Proc. 2023;98(10):1515–1526.
[3] Ashina H, Iljazi A, Al-Khazali HM et al. CGRP-induced migraine-like headache in persistent post-traumatic headache attributed to mild traumatic brain injury. J Headache Pain. 2022;23:135.
[4] Al-Khazali HM, Christensen RH, Ashina H. Clinical comparisons between post-traumatic headache and migraine: A cross-sectional study. Cephalalgia. 2025;45(4):1–16.
[5] Schwedt TJ. Post-traumatic headache due to mild traumatic brain injury: Current knowledge and future directions. Cephalalgia. 2021;41(4):464–471.
[6] Schwedt TJ. Posttraumatic Headache. Continuum (Minneap Minn). 2024;30(2):411–424.
[7] Göbel H. (Hrsg.). Die Kopfschmerzen. Kapitel 13. Springer Nature, 2025. ISBN 978-3-662-68873-1.
[8] Silverberg ND, Lee K, Mikolić A et al. (Action Collaborative on TBI Care). Adapted Clinical Practice Guideline. J Neurotrauma. 2026;43:89–108.
[9] Ashina H, Iljazi A, Al-Khazali HM et al. Efficacy, tolerability, and safety of erenumab for the preventive treatment of persistent post-traumatic headache attributed to mild traumatic brain injury: an open-label study. J Headache Pain. 2020;21(1):62.
[10] Christensen RH, Al-Khazali HM, Gollion C, Chaudhry BA, Ashina M, Ashina H. White matter tract differences in persistent post-traumatic headache, migraine, and healthy controls: a diffusion tensor imaging study. J Headache Pain. 2025;26(1):155.