Posttraumatische Kopfschmerzen – Was gibt es Neues?
Antonella Palla
Die Forschung der letzten Jahre hat dazu beigetragen, besser zu verstehen, warum manche Patienten nach einer Kopfverletzung hartnäckige Kopfschmerzen entwickeln:
Neuroinflammation und CGRP
Nach einer Kopfverletzung reagiert das Gehirn mit einer Entzündungsreaktion, bei der u. a. der Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) freigesetzt wird – derselbe, der auch bei Migräne zentral ist.
In einer Studie am Dänischen Kopfschmerzzentrum erhielten 60 Patienten mit anhaltendem PTH – ohne je Migräne gehabt zu haben – eine CGRP-Infusion: 72 % entwickelten daraufhin migräneartige Kopfschmerzen. Dies belegt eindrücklich die Rolle von CGRP bei PTH.3
Diese Erkenntnisse eröffnen neue therapeutische Möglichkeiten: In einer ersten offenen Studie zeigte Erenumab – ein monoklonaler Antikörper, der gezielt den CGRP-Rezeptor blockiert – bei 100 Patienten mit anhaltendem PTH eine Reduktion der schweren Kopfschmerztage. Placebokontrollierte Studien laufen.3
Veränderte Schmerzverarbeitung
Das Gehirn nach einer Kopfverletzung reagiert empfindlicher auf Schmerzsignale: Die normale Hemmung von Schmerz ist abgeschwächt, und Reize wie Licht, Lärm oder Druck am Kopf werden stärker als unangenehm wahrgenommen. Studien zeigen eine veränderte Schmerzverarbeitung mit verminderter Schmerzhemmung und erhöhter Empfindlichkeit.3
Bildgebung enthüllt Veränderungen im Gehirn
Moderne MRT-Verfahren können subtile strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn aufzeigen, die mit konventionellen Untersuchungen unsichtbar bleiben. Diese Befunde korrelieren mit Kopfschmerzhäufigkeit und -intensität und können sich – je nach Behandlungsverlauf – auch wieder verändern. 5,10
Neuere Studien zeigen zudem, dass die Krankheitslast bei anhaltendem PTH jener der chronischen Migräne entspricht.
Die erste direkte Vergleichsstudie zwischen anhaltendem PTH und Migräne (132 PTH-Patienten vs. 751 Migränepatienten) zeigte bemerkenswerte Ergebnisse: Patienten mit anhaltendem PTH berichteten im Durchschnitt über 27 Kopfschmerztage pro Monat. Der Behinderungsgrad war deutlich höher als bei episodischer Migräne, und auch Angst- sowie Depressionswerte waren erhöht.4
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass anhaltender PTH eine ebenso intensive therapeutische Aufmerksamkeit verdient wie die chronische Migräne. Betroffene sollten daher nicht mit der Erwartung entlassen werden, dass sich die Beschwerden von selbst zurückbilden. Eine konsequente und gezielte Behandlung ist entscheidend.
Literatur
[1] Ashina H et al. Post-traumatic headache attributed to traumatic brain injury: classification, clinical characteristics, and treatment. Lancet Neurology. 2021;20:460–469.
[2] Ashina H, Dodick DW et al. (TRACK-TBI Investigators). Prevalence of and Risk Factors for Post-traumatic Headache in Civilian Patients After Mild Traumatic Brain Injury. Mayo Clin Proc. 2023;98(10):1515–1526.
[3] Ashina H, Iljazi A, Al-Khazali HM et al. CGRP-induced migraine-like headache in persistent post-traumatic headache attributed to mild traumatic brain injury. J Headache Pain. 2022;23:135.
[4] Al-Khazali HM, Christensen RH, Ashina H. Clinical comparisons between post-traumatic headache and migraine: A cross-sectional study. Cephalalgia. 2025;45(4):1–16.
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[7] Göbel H. (Hrsg.). Die Kopfschmerzen. Kapitel 13. Springer Nature, 2025. ISBN 978-3-662-68873-1.
[8] Silverberg ND, Lee K, Mikolić A et al. (Action Collaborative on TBI Care). Adapted Clinical Practice Guideline. J Neurotrauma. 2026;43:89–108.
[9] Ashina H, Iljazi A, Al-Khazali HM et al. Efficacy, tolerability, and safety of erenumab for the preventive treatment of persistent post-traumatic headache attributed to mild traumatic brain injury: an open-label study. J Headache Pain. 2020;21(1):62.
[10] Christensen RH, Al-Khazali HM, Gollion C, Chaudhry BA, Ashina M, Ashina H. White matter tract differences in persistent post-traumatic headache, migraine, and healthy controls: a diffusion tensor imaging study. J Headache Pain. 2025;26(1):155.