
Egal ob Spannungskopfschmerzen oder Migräne – sie beeinträchtigen die Konzentration, machen Schulstunden anstrengend und führen nicht selten zu Absenzen. Höchste Zeit, dem Thema im Schulalltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Migraine Friendly School
Kopfschmerzen im Schulalltag ernst nehmen
Wenn Schülerinnen und Schüler über Kopfweh klagen, wird das im Schulalltag oft banalisiert. Dabei zeigen Studien, dass viele Kinder und Jugendliche regelmässig darunter leiden. Schulen können einen wichtigen Beitrag leisten – durch Sensibilisierung, durch einfache präventive Massnahmen und durch einen unterstützenden Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern.
Einige Fakten

der Kinder und Jugendlichen leiden gelegentlich unter Spannungskopfschmerzen, während Migräne bei 10 bis 15 % auftritt. Spannungskopfschmerzen (auch «Stresskopfschmerzen» genannt) sind damit deutlich häufiger und treten bei dieser Altersgruppe etwa viermal so oft auf wie Migräne. In den allermeisten Fällen deuten Kopfschmerzen nicht auf eine ernsthafte Erkrankung hin. Sie entstehen meist durch eine familiäre Veranlagung (bei Migräne) oder durch «harmlose» Ursachen wie Stress, Schlafmangel, Flüssigkeitsmangel oder fehlende körperliche Aktivität. Dennoch können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, insbesondere bei häufigem Auftreten.

der jugendlichen Mädchen und ein Viertel der befragten Jungen berichten laut einer 2022/2023 durchgeführten Befragung der 2. Sekundarschule in Zürich, mindestens einmal pro Woche Kopfschmerzen zu haben und regelmässig oder gelegentlich Medikamente einzunehmen.

Kopfschmerzen und Migräne treten bei Mädchen nach der Pubertät häufiger auf als bei Jungen, während vor der Pubertät Jungen etwas häufiger betroffen sind. Hormone spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie nach der Pubertät bei Mädchen die Häufigkeit von Kopfschmerzen und insbesondere Migräne wesentlich beeinflussen können.

Kopfschmerzen, besonders Migräne, sind eine häufige Ursache für Schulabsenzen bei Kindern und Jugendlichen. Sie beeinträchtigen nicht nur die schulische Teilnahme, sondern oft auch Freizeitaktivitäten. Wiederkehrende Beschwerden können den Alltag erheblich belasten und die Lebensqualität stark einschränken.

Für Schülerinnen und Schüler
- Informiere deine Lehrperson bei starken Kopfschmerzen oder Migräneattacken frühzeitig – vor allem auch, wenn du eine Prüfung schreiben musst.
- Bei regelmässigen Kopfschmerzen solltest du deine Hausärztin beziehungsweise deinen Kinderarzt aufsuchen und ein ärztliches Zeugnis für die Schule besorgen.
- Informiere deine Lehrperson oder «Schulverantwortliche» auch, wenn du regelmässig Medikamente gegen Kopfschmerzen nimmst.
- Falls deine Migräne durch einen bestimmten «Trigger» (z.B . Sport) ausgelöst wird, benötigst du für einen Dispens auch ein Arztzeugnis.
- Wenn du häufig Kopfschmerzen hast, ist es sinnvoll, einen Kopfschmerzkalender zu führen, bei Mädchen am besten in Kombination mit dem Zykluskalender.

Für Lehrerinnen und Lehrer
- Es ist wichtig, Schülerinnen und Schüler, die über Kopfschmerzen klagen, ernst zu nehmen.
- Die Schule sollte, wenn möglich, ruhige, dunkle Räume und eine Möglichkeit zur Medikamenteneinnahme bieten, damit Betroffene nicht gleich ganze Schultage verpassen müssen.
- Präventive Faktoren wie genügend Flüssigkeit und regelmässige Bewegung im Schulalltag integrieren.
- Es ist sinnvoll, in der Schule eine Ansprechperson, etwa aus der Schulsozialarbeit oder eine engagierte Lehrperson, zu benennen, die sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzt und als «Schulverantwortliche Migräne» fungiert.
- Bei Schülerinnen und Schülern, die regelmässig über Kopfschmerzen klagen, sollten die Eltern kontaktiert werden, um mögliche Massnahmen zu besprechen und sie zu einem Arztbesuch zu motivieren.
Wichtig: Vorbeugen

Beweg dich!
Bewegung tut deinem Körper gut – und auch deinem Kopf! Wenn du dich regelmässig sportlich betätigst, kannst du Stress abbauen und Kopfschmerzen vorbeugen. Ob Joggen oder Tanzen: Regelmässige Bewegung, bei der du ins Schwitzen kommst, ein- bis zweimal pro Woche, hilft dir, fitter und entspannter zu werden. Probier es aus!


Trink genug Wasser!
Wenn du zu wenig trinkst, kann das vermehrt zu Kopfweh führen. Sorge dafür, dass du jeden Tag 2 bis 3 Liter Wasser trinkst! Koffeinhaltige Getränke wie IceTea, Cola und Energy-Drinks sind keine gute Idee – die machen es oft nur schlimmer. Also: Wasserflasche schnappen und regelmässig einen Schluck nehmen!


Achte auf regelmässige Mahlzeiten!
Das Auslassen von Mahlzeiten oder unregelmässiges Essen kann deinen Körper durcheinanderbringen und sogar Migräneattacken auslösen. Also: Nimm dir Zeit und iss regelmässig und stressfrei!


Schlaf genug, schlaf regelmässig!
Zu wenig Schlaf oder unregelmässige Bettzeiten können Kopfweh auslösen. Versuche, jede Nacht genügend (Teens 8 bis 10 Stunden, Pre-Teens 9 bis 12 Stunden) zu schlafen und zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Aufgepasst: Zu lange Bildschirmzeiten können dich auch vom Schlafen abhalten. Ein dunkles, ruhiges Zimmer hilft dir dabei, gut zu schlafen und ohne Kopfweh aufzuwachen.

Achtung Migränespirale!
Gelegentlich kann Migräne, vor allem bei Auftreten von einmal pro Woche oder häufiger, zu einer sich selbst verstärkenden Spirale mit häufigen Absenzen führen, und sich selten zu einer chronischen Migräne entwickeln. Es ist für dich wichtig, diesen Mechanismus zu kennen, damit du und deine Lehrperson darauf richtig reagieren können.

Und was ist mit Medikamenten?
Mittelstarke bis starke Kopfschmerzen und insbesondere Migräne können mit geeigneten Schmerzmedikamenten behandelt werden. Aber Vorsicht: Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln (Regel: mehr als 10 Tage pro Monat) kann schädlich sein oder sogar Kopfschmerzen verstärken. Regelmässige Einnahmen von Schmerzmedikamenten sollten unbedingt mit einem Hausarzt/einer Hausärztin bzw. einem Kinderarzt/einer Kinderärztin besprochen werden.

Wann solltest du dir Hilfe holen?
Kopfschmerzen sind in den allermeisten Fällen ungefährlich. Trotzdem können Sie deinen Schulalltag und deine Freizeit so stark beeinträchtigen, dass es sinnvoll ist etwas zu unternehmen:
- Bei häufigen Kopfschmerzen – mehr als 1 bis 2 Mal pro Woche – solltest du deine Hausärztin, deinen Kinderarzt oder sogar einen spezialisierten Facharzt bzw. eine Fachärztin mit Kopfschmerzerfahrung aufsuchen.
- Wenn du an mehr als einem Tag pro Woche Schmerzmedikamente gegen deine Kopfschmerzen einnimmst, solltest du dir ebenfalls ärztliche Hilfe holen.
- Wenn deine Kopfschmerzen extrem stark sind, oder nicht der üblichen Art, wie du sie vielleicht bereits kennst, entsprechen.
Infomaterial zum Herunterladen, Ausdrucken und Verteilen oder Aufhängen
Flyer A6
Info Flyer der zweiseitig auf A3 ausgedruckt und auf A6 kleingefaltet werden kann.
Download PDF Flyer A6
A4-Broschüre
4-seitiger Info-Broschüre zum einfachen Ausdrucken.
Download PDF Broschüre A4
Kleinplakat A3/A4 «Einige Fakten»
Einigen Fakten zum Thema Kopfweh und Migräne zum Ausdrucken auf A4 oder A3.
Download PDF Kleinplakat
Kleinplakat A3/A4 «Vorbeugen»
Praktische Tipps um Kopfweh vorzubeugen zum Ausdrucken auf A4 oder A3.
Download PDF Kleinplakat
Kleinplakat A3/A4 «Schulalltag»
Tipps für den Umgang mit Kopfweh im Schulalltag zum Ausdrucken auf A4 oder A3.
Download PDF Kleinplakat
Rückfragen können ans Zentrum für Kinderneurologie in Zürich (Dr. Tobias Iff ) unter info@kinderneurologie.ch gerichtet werden.
Migräne Kinderbuch
Der Schatten, der in Lunas Kopf lebt
Das Buch erzählt die Geschichte von Luna, eines 11-jährigen Mädchens, das an chronischer Migräne leidet, und schildert die schwierigen Situationen in ihrem Leben sowie ihren Weg, mit der Migräne und den Herausforderungen des Alltags umzugehen.

SFCNS Swiss Brain Health Plan
Migraine Friendly School ist eine Informationskampagne der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG). Sie möchte Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrpersonen, für das Thema Kopfschmerzen und Migräne sensibilisieren und mit praktischen Informationen und Tipps unterstützen.
Migraine friendly school wurde im Rahmen des SFCNS Swiss Brain Health Plan initiiert und von der SKG entwickelt. Am 2nd SFCNS Swiss Brain Health Plan Stakeholder Meeting in Bern am 5.12.2024 haben Herr Prof. Alexandre Datta (Neuropädiatrie, Basel) und unser Vorstandsmitglied Dr. Tobias Iff (Kinderneurologie, Zürich) Migraine Friendly School präsentiert und dessen Bedeutung erläutert.
Der SFCNS Swiss Brain Health Plan verfolgt das Ziel, eine nationale Strategie zur Förderung der Gehirngesundheit umzusetzen – im Einklang mit der 2022 von der WHO und der European Academy of Neurology (EAN) gestarteten Initiative. Im Zentrum stehen dabei die Bewusstseinsbildung für die Gehirngesundheit als Ganzes sowie die Entwicklung und Umsetzung von Präventionsprogrammen, die die Gesundheit des Gehirns über die gesamte Lebensspanne fördern sollen.




